Physiotherapie mal anders

Ich hatte meiner Patientin Inge schon ewig versprochen, mit ihr mal wieder einen tollen Ausflug zu machen. Ja, ich mache ab und zu tatsächlich Ausflüge mit meinen Patienten. Dieses mal, verschlug es Inge, Benji und mich auf die Nordkette. Mit Rollstuhl war ich ehrlich gesagt auch noch nie oben und irgendwie hatte ich doch ein kleines bisschen Sorge, dass es vielleicht nicht klappen könnte. An der Bahn angekommen wurden meine Bedenken gleich beseitigt, weil wir nicht die einzigen mit Rollstuhl waren. Somit haben wir uns auf den Weg Richtung Hafelekar gemacht und waren überrascht, wie warm es noch oben war. Auf der Seegrube angekommen beobachteten wir die Drachenfliegerpiloten, die gerade ihre Hängegleiter zusammenbauten und wir genossen eine Suppe mit Bier. Ja, auch das darf ab und zu sein. Somit beschlossen wir ein paar Schritte zu Fuß zu gehen auf 1.900 Meter Seehöhe. Für uns drei ein atemberaubendes Erlebnis was besonders mich zu Tränen rührte, weil keiner mehr daran geglaubt hätte, dass Inge irgendwann nochmal Innsbruck von oben sehen würde. Sie konnte dort oben gehen, als hätte sie nie etwas anderes gemacht und hat mal eben einer Runde Kindern am Spielplatz ihre rührende Geschichte erzählt, die dann allesamt applaudierten. Wir hockten uns noch ein bisserl zur Mauer und schauten den Drachenfliegern beim Starten zu, bevor wir uns wieder langsam auf den Weg ins Tal machten. Es war ein ganz besonderer Tag für uns alle drei!!!

 

Inges Geschichte in wenigen Worten:

Meine liebe langjährige Patientin Inge ist nun doch schon seit 2015 in meiner Obhut. Sie ist für mich das beste Beispiel dafür Kampfgeist, Willen und Kraft zu zeigen. Sie hatte einen sehr schweren Unfall mit einem beträchtlichen Schädel-Hirn-Trauma. Somit ist Inge halbseitig gelähmt! Als ich sie im Frühling 2015 kennen lernte, konnte sie eigentlich nichts selbstständig machen. Sie lag im Bett, konnte weder selbstständig essen, noch sitzen noch sonst irgendetwas ohne Hilfe. Heute lebt sie mittlerweile in der Landespflegeklinik in Hall, was auf meinem Mist gewachsen ist, weil ich mir für sie die bestmögliche Förderung gewünscht habe, die sie eben dort bekommen konnte. In der Zwischenzeit hat Inge gelernt zu Sprechen, zu Essen, Aufzustehen, zu Gehen, Treppenzusteigen und noch viel viel mehr. Sie hat ihren Lebenswillen nie verloren, wurde in der Zwischenzeit stolze Oma und kämpft weiter!!! Benji hat sie die letzten Jahre immer wieder begleitet und ich bin davon überzeugt, dass auch er für sie Ansporn zum Kämpfen war. Inge, du bist für mich etwas ganz besonderes und ich bin froh dich immer wieder begleiten zu dürfen. Mach weiter so!!!

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